Ja, ich verdiene mein Geld mit professionellen Praxis-Websites – und trotzdem beginnt dieser Artikel mit einem Satz, den Sie von einer Agentur selten hören: Fast jede Website ist besser als keine. Auch die aus dem Baukasten. Die Frage ist nur, was Sie von ihr erwarten dürfen – und wo die Rechnung kippt.
Was für den Baukasten spricht (ehrlich)
- Datenhoheit statt Nichts: Eine eigene Website – egal wie einfach – ist die einzige Online-Präsenz, die Ihnen gehört. Wer nur auf Instagram, Doctolib oder Jameda präsent ist, baut auf gemietetem Land.
- Geringe Einstiegskosten: 20–60 € im Monat, sofort startklar, keine Agentursuche.
- Gut genug für den Anfang: Für eine frisch gegründete Praxis mit vollem Wartezimmer per Kassensitz kann eine saubere Baukasten-Visitenkarte (Leistungen, Team, Öffnungszeiten, Anfahrt) übergangsweise völlig reichen.
Wo der Baukasten Praxen im Stich lässt
1. Das Problem ist nicht der Baukasten – es ist das fehlende Handwerk
Die typische Anfrage in meinem Postfach lautet: „Website gekauft, kein Traffic, warum?" Die Antwort ist fast immer dieselbe: SEO war nie Teil des Erstellungsprozesses. Niemand hat recherchiert, wonach Patienten in Ihrer Region suchen, welche Fragen und Einwände sie haben, wie die Customer Journey aussieht. Das kann der beste Baukasten nicht ausgleichen – er liefert Werkzeug, keine Strategie.
2. Design-Erosion nach der dritten Anpassung
Baukasten-Templates sehen in der Demo gut aus – mit den Demo-Texten und Demo-Bildern. Spätestens nach der dritten eigenen Anpassung ist das Design zerschossen: Texte sprengen die vorgesehenen Längen, Schriftgrößen springen, Banner und Hinweise stapeln sich übereinander und behindern genau die Informationsreise, die Patienten zum Termin führen soll.
3. Die unsichtbaren Grenzen
Strukturierte Daten für Praxen, saubere Ladezeiten, Barrierefreiheit nach WCAG, DSGVO-Details wie lokal gehostete Schriften: In vielen Baukästen nur eingeschränkt oder gar nicht umsetzbar. Für eine Visitenkarte egal – für eine Website, die im lokalen Wettbewerb ranken soll, ein strukturelles Handicap.
4. Die ehrliche Vollkosten-Rechnung
40–80 Stunden Eigenleistung für ein mittelmäßiges Ergebnis, bewertet mit Ihrem Behandler-Stundensatz: 4.000–24.000 € Opportunitätskosten. Dazu die unsichtbarste Kost von allen – die Patienten, die Sie nicht gewinnen, solange die Seite unsichtbar bleibt. Die komplette Rechnung mit allen Preisstufen finden Sie im Kosten-Ratgeber.
Die Entscheidungshilfe: Baukasten oder Profi?
| Ihre Situation | Meine ehrliche Empfehlung |
|---|---|
| Neugründung, Budget knapp, Kassensitz mit vollem Wartezimmer | Baukasten als saubere Visitenkarte – mit Plan, in 1–2 Jahren aufzurüsten |
| Sie wollen hochwertige Leistungen (Implantate, Selbstzahler) gezielt ausbauen | Profi-Website mit Leistungsseiten und Local SEO – hier entscheidet Sichtbarkeit über Umsatz |
| Sie finden kein Personal | Profi-Website mit echter Karriereseite und Team-Einblicken – warum, steht hier |
| Sie haben einen Baukasten und „er bringt nichts" | Erst Diagnose, dann Entscheidung: Manchmal reicht Optimierung, oft ist der Neubau ehrlicher. Der kostenlose Check zeigt es |
| Wettbewerber dominieren Maps und die Suchergebnisse | Profi-Setup mit SEO-Fundament – gegen etablierte Konkurrenz gewinnt kein Template |
Eine Website ist als Marketing-Werkzeug zu wichtig, um sie nebenbei zusammenzuklicken – aber wenn die Alternative „gar keine Website" heißt, dann klicken Sie. Mit offenen Augen und einem Plan für den nächsten Schritt.
Häufige Fragen
Ist eine Baukasten-Website besser als gar keine Website?
Ja, eindeutig. Fast jede Website ist besser als keine – allein wegen der Datenhoheit: Ihre Website ist die einzige Online-Präsenz, die wirklich Ihnen gehört. Social-Media-Profile und Portal-Einträge gehören Meta, Google oder Doctolib. Wenn das Budget aktuell nur für einen Baukasten reicht: machen. Aber mit realistischen Erwartungen – gefunden werden Sie damit ohne SEO-Wissen kaum.
Warum wird meine Baukasten-Website bei Google nicht gefunden?
Weil SEO nie Teil des Erstellungsprozesses war: Niemand hat recherchiert, wonach Ihre Patienten suchen, die Seitenstruktur folgt keiner Suchlogik, Titles und Überschriften sind generisch, und technisch limitieren viele Baukästen Ladezeit und strukturierte Daten. Der Baukasten ist selten das Hauptproblem – das fehlende Handwerk dahinter ist es.
Was kostet mich die selbst gebaute Praxis-Website wirklich?
Rechnen Sie ehrlich: 40 bis 80 Stunden Eigenleistung für ein mittelmäßiges Ergebnis – bewertet mit Ihrem Stundensatz als Behandler (100 bis 300 €) sind das 4.000 bis 24.000 € an Opportunitätskosten. Plus die unsichtbaren Kosten: Patienten, die Sie nicht gewinnen, weil die Seite nicht gefunden wird. Eine professionelle Praxis-Website kostet 9.500 bis 14.500 € – und arbeitet danach für Sie statt gegen Ihre Abende.